1. Es wurde der Transport von Blättern von Nicotiana glauca und von Phaseolus multiflorus durch Bestimmung der Menge des organisch gebundenen Kohlenstoffes am Anfang des Versuches und nach bestimmten Zeiten untersucht. Zugleich wurde bestimmt, wieviel C zu C02 veratmet wurde in diesen Zeiten. Daraus liess sich die Menge organisch gebundenes C, die aus dem Blatte ausgewandert war, errechnen. 2. Der organisch gebundene C wurde weiter nach dem Messinger Verfahren bestimmt. Der bei der Atmung oxydierte C wurde auf die übliche Weise in Pettenkofersce Röhren mit Ba(OH)2 festgelegt und titriert. 3. Es wurde bei Phaseolus gefunden, dass die Variabilität des C-Gehalts je Oberflächeeinheit der beiden Blatthälften geringer ist als die Variabilität des C-Gehalts der gegenüberstehenden Blätter. 4. Bei Phaseolus wurde mit dem Verfahren von Kruseman (Siehe S. 343) gearbeitet, wobei aus einer Anzahl Pflanzen, 2 Reihen gebildet wurden, wobei jedesmal die eine Blatthälfte beim Beginn des Versuches, die andere nachdem der Transport stattgefunden hat, analysiert wird. Die zwei Reihen können unter ungleiche Verhältnisse gebracht werden und dadurch kann der Einfluss der geänderten Verhältnisse auf den Transport untersucht werden. Zwei solche Reihen Blätter haben unter gleichen Verhältnissen eine gleich grosse C-Abnahme. 5. Bei Nicotiana glauca wurde der C-gehalt je Oberflächeeinheit gleichwertiger Blätter von verschiedenen Pflanzen bestimmt. Die Unterschiede waren gross. Auch beim selben Blatte gab es zwischen Spitze und Basis grosse Unterschiede, namentlich bei Blättern, die assimiliert hatten. Blatthälften wiesen, was ihren C-gehalt je Oberflächeeinheit anbetrifft, eine geringe Variabilität auf. Auf Grund dieser Ergebnisse wurde der Transport bestimmt, indem bei 4 Pflanzen ein so viel wie möglich gleichartiges Blatt gewählt und in vier Stücke verteilt wurde. Zu jeder Bestimmung dienten 4 solche Viertelblätter, die so gewählt wurden, dass in jeder Probe alle Teile eines Blattes anwesend waren. 6. Es wurde kein merkbarer Einfluss von der durch Wegschneiden eines Teiles des Blattes entstandenen Verwundung auf die C-Abnahme des übrigen Teiles erfahren. 7. Es zeigte sich, dass bei Nicotiana die Atmung ± 12—48% des Gesamt-C-verlustes ausmachte. Die Atmung von Phaseolusblättem war während einer Periode von 24 Stunden dz 30—50% des Gesamt-C-verlustes. Hieraus erfolgt, dass es bei Transportversuchen nicht erlaubt ist, die Atmung zu vernachlässigen. 8. Der Transport bei Nicotiana variierte stark. Er konnte während der 1. Periode am grössten sein und danach abnehmen, jedoch war er zunächst auch wohl gering und erst während der letzten Periode maximal. Wahrscheinlich wurde dieser Verlauf des Transportes durch die Vorgeschichte bestimmt. 9. Die Dauer des Transportes bei Nicotiana varüerte von 8—19 Stunden. In einigen Fällen war der Transport wahrscheinlich nach 24 Stunden noch nicht abgelaufen. Bei Phaseolus betrug in einigen Fällen die Dauer des Transportes 8—9 Stunden. Es wurde annehmlich, dass der Transport bei den übrigen Versuchen auch innerhalb von 24 Stunden Stillstand. Wenn man also den Einfluss der äusseren Umstände auf die Grösse und die Geschwindigkeit des Transportes feststellen will, so muss eine Transportzeit gewählt werden, welche kürzer ist als 8 Stunden. 10. Unter normalen Verhältnissen wurde bei Nicotiana kein Zusammenhang gefunden zwischen der Stärke der Atmung und der Stärke des Transportes. 11. Der Einfluss des Alters von Nicotianapflanzen äusserte sich hauptsächlich in einer Abnahme der Atmung. Diese betrug für junge Blätter 1.2—1.5 mg und für alte Blätter 0.7—0.8 mg/dm2 stündlich. Bei Phaseoluspflanzen, die 6—7 Wochen alt waren wurde kein Transport aus den primären Blättern konstatiert. 12. Bei Nicotianablättern, welche unter Äthernarkose gebracht waren, fand weder Transport noch Atmung statt. 13. Der Einfluss der Äthernarkose war vollkommen reversibel. 14. Sowohl bei Nicotiana- als bei Phaseolusblättern wurde in 02-armer Luft eine Abnahme des Transportes und der Atmung konstatiert. 15. Je besser es bei Nicotiana gelungen war, die Blätter in eine 02-freie Atmosphäre zu bringen, um so stärker war der Transport gehemmt. 16. Auch bei einer leichten Welkung von Nicotiana- und Phaseolusblättern war ein Transport sehr gut möglich. Diese Arbeit wurde im Laboratorium für Pflanzenphysiologie der Reichsuniversität Groningen ausgeführt. Dem Direktor dieses Laboratoriums, Herrn Prof. Dr. W. H. Arisz, möchte ich an dieser Stelle für seine Hilfe und seine stetigen Anregungen herzlich danken.